Dienstag, 16. Februar 2021
440. Immer noch Angst.
Gestern zum Übernachten in die Wohung nebenan gegangen. Wir sind zwei verbundene Häuser, mit unterschiedlichen Hausnummern, aber eine Eigentümergemeinschaft.

Die Pumpe für die Luftmatratze finde ich nicht mehr, also wird es nur eine Campingmatte, und darauf ein Sitzauflieger für Gartenstühle. Beim Einschlafen bilde ich mir ein, auch noch dieses Vibrieren zu haben. Irgendwann schlafe ich, wälze mich aber ziemlich rum, meine zum einen diese Vibrationen zu spüren, zum anderen ist es einfach nur furchtbar unbequem. Ich nicke immer wieder ein, wache auf, nicke ein. Um 2.30 Uhr reicht es mir, ich stehe auf und wander zurück in meine Wohnung. Dort erwartet mich herrliche Stille. Kein Mucks, kein Vibrieren, nichts. Ich kann nicht sofort einschlafen, kuschel die Katze, denke nach, während ich im Bett liege. Aber es bleibt ruhig, nichts, es ist göttlich, ich weiß nicht wann ich das zuletzt hatte.

Vorbei ist das gegen 5 Uhr, als das Haus Betrieb aufnimmt. Damit startet auch wieder das Vibrieren.

Ich bleibe ratlos zurück. Stresst mich das dann so sehr ab 5 Uhr, dass es wieder losgeht und bleibt (es ist auch jetzt, während ich hier sitze und tippe, ich sitze im Schneidersitz auf meinem Bürostuhl und fühle es an meinem Hintern, und in den aufgestützten Armen)?

Ich rufe S. an, und sage, wie verrückt ich darüber werde. Sie betrachtet alles was ich sage als Anzeichen dafür, dass es psychosomatisch ist. Ich wünsche mir das inzwischen, denn wenn das wirklich was mit Wohnung und Haus zu tun hat, wäre das natürlich scheiße. Ich muss so sehr weinen, weil ich merke, dass ich die gleichen Sätze sage im Telefonat wie meine Mutter damals. Wir meinten damals, sie solle sich nicht so reinsteigern, und es müssen Profis draufkucken, und sie sagte: "das sagt sich so leicht, man spürt es ständig. Es fühlt sich so an wie von außen. Keiner glaubt mir." Schließlich muss ich das Telefonat ziemlich abrupt beenden, weil ich das Gefühl in einer Wiederholung gefangen zu sein nicht mehr aushalte.

Keine Pointe.

Beim Neurologen angerufen. Nächster Termin im Juni. Sehr gelacht.

[Edit] Sitze gerade auf meinem Sofa und denke so - das Gehirn fühlt sich gerade mal ziemlich klar an - vielleicht haben die unter mir einfach nur ein total krasses Soundsystem. Denn was ich da gerade höre, passt auch dazu. Vielleicht läuft da Tag und Nacht einfach ein Subwoover, der die selber nicht stört. Sie ist auch den ganzen Tag zu Hause und putzt und hört dazu vielleicht Musik oder schaut fern, und abends kifft er wie ein Wahnsinniger und die glotzen sicher auch. Er steht auch morgens um 5 auf, vielleicht starten sie da auch direkt mit ihrer Anlage. Naja irgendwie schon komisch, dass ich das auf allen 55 Quadratmetern mehr oder weniger gleich fühle, aber was weiß ich, wie Leute heutzutage ausgestattet sind mir ihren Alexas und weiß der Geier.

Blöderweise war ich ja neulich schon dort unten wegen des Türenschlagens. Wird ja irgendwann auch weird: "Bitte entschuldigen Sie, ich bin die crazy cat lady über Ihnen. Ganz toll, dass das mit dem Türenschlagen jetzt besser klappt. Ist es möglich, dass sie ein irres Dolby-Surround-Ding in Ihrer Wohnung haben, oder ein ständig laufendes Klima- oder Lüftungsgerät? Ich fühle seit Ihrem Einzug ganztägig und auch nachts so dubiose Vibrationen." Uff.

Ich bin gespannt, was L. morgen sagt, sie kommt vorbei und befühlt sie Situation. Aber gerade eben denk ich mir: ganz glasklar: irgend n scheiß von unten.

Vermutlich sollte ich einfach mal unter mir fragen. ich trau mich aber nicht. Der Typ hat so ein Gesicht, das klingt jetzt ganz bescheuert, aber da schwebt so eine latente Aggression drin. Hmhmhm.

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Montag, 15. Februar 2021
339. Angst.
Langsam glaube ich, ich verliere den Verstand. Die vorletzte Nacht war total gut, so dass ich dachte: alles im grünen Bereich, das wird schon, ich muss mich nur entspannen. Die letzte Nacht war wieder eine Vollkatastrophe, wie viele in den letzten drei Wochen. Ständig aufgewacht, dabei das Gefühl gehabt, die Beine und die Wirbelsäule vibrieren. Gedacht, ich kann mir das doch nicht einbilden, das kommt doch von außen, das ist irgendwas in dieser Wohnung oder in diesem Haus. Die ganze Nacht hindurch läuft ein Ommm Track auf Youtube, erst seit in den nachts höre, kann ich zumindest relativ schnell wieder einschlafen wenn ich aufwache. Viele Nächte davor lag ich ewig wach und nichts ging mehr.

All das, was ich erzähle, das Vibrieren, als wäre da Strom, die Überlegung, dass das doch von außen kommt, oder doch von mir, oder mal zum Umweltamt zu gehen und dort ein Gerät für Messungen zu holen. ich hab das alles schon mal erlebt, und es gibt keinen passenden deutschen Ausdruck dafür: I'm freaking out.

Feldenkrais, Mediation, Yoga, Spazierengehen, Radfahren. Sonne tanken, auf die Bachelorarbeit konzentrieren. Egal was ich tue. Es ist immer da. Besonders schlimm wird es nachts bzw. wenn ich liege. Bzw., das stimmt so nicht, muss ich sagen. Wenn ich draußen bin und mich bewege, dann ist das nicht so massiv, überhaupt nicht, höchstens in den Füßen, als würde man den Puls durch die Füße fließen fühlen. Diese furchtbaren Eindrücke kommen vor allem in meiner Wohnung, wenn ich am Schreibtisch sitze und arbeite, oder wenn ich auf dem Sofa oder im Bett liege.

S. gefragt, ob ich am Dienstag bei ihr übernachten kann, ich muss wissen, ob das andernorts nachts auch so ist. Ihre Familie kommt allerdings zu Besuch (eigentlich war geplant, dass sie bei ihrer Familie ist und ich die Katze sitte, so kam ich auf die Idee, dort zu schlafen). Frühstens am Samstag ginge es, da ist sie wieder bei der Familie.

Ich weiß nicht ob ich es bis dahin aushalte. Überlegt im Büro zu übernachten. Dort haben wir eine Matratze. Aber wie gruselig. Und zudem müsste ich das melden, wir müssen ja immer eingecheckt sein, wenn wir im Büro sind. Wie soll ich das erklären?

Meister Yoda ist am 23.2., er wollte am Telefon nicht weiter mit mir darüber sprechen, meint aber, das klänge alles gar nicht verrückt, sondern dass wir alle seit fast einem Jahr kontinuierlich Spannung aufbauen, die keine passende Abfuhr mehr erfährt. Der Körper suche sich dann einen Weg. Ich weiß nicht, ob ich mir wünschen soll, dass das stimmt. Ich wünsche mir einfach nur, dass ich nicht so krank werde wie meine Mutter. Dass ich das nicht für den Rest meines Lebens habe, dass es mich so beeinträchtigen wird, dass ich nichts mehr tun kann als in der Küche sitzen, zu rauchen und zu trinken. Dass ich mir nicht irgendwann einbilde, dass jemand das bewusst ausübt an mir.

Überlegt, ob ich zur Hausärztin gehe, vielleicht sie eine Idee. Denke aber, vielleicht muss ich wirklich erst sicher sein, dass das in mir ist, nicht von außen durch irgendwelche Infraschall-Scheiße. Der Hörtest beim HNO vor der OP ergab, dass ich irre gut höre, sowohl in hohen wie auch niederen Frequenzen ungewöhnlich gut. "Ich möchte nicht Ihr Mann sein und mich nachts nach Hause schleichen müssen", meinte der HNO damals. Und ich habe auch gelernt, dass wir über die Knochen hören, insbesondere tiefe Töne. Aber ist es wirklcih sowas? Ich weiß es nicht, ich weiß gar nichts mehr.

Ich kann kaum mehr sprechen ohne zu weinen, deswegen ziehe ich mich zurück, gehe nicht mehr ans Telefon, will niemanden sehen. Das, was Menschen dazu sagen, egal was es ist, ich halte es momentan nicht aus. Ich bin außer mir, und habe Angst.

[Edit] Es ist komisch, dass ich im Freundeskreis momentan nur mit Menschen darüber sprechen kann, die hier sind und die ich tatsächlich sehe. Selbst mit N. schaffe ich es nicht. Zum Glück sind sowohl S. als auch B. sehr pragmatische, ruhige, zuversichtliche MenschenAlso: nächste Woche Termin beim Thera, diese Woche Freitag bei der Hausärztin, parallel um Termin beim Neurologen bemüht, die haben sogar zurückgerufen aber ich war zu langsam, denke spätestens morgen melden die sich wieder.
B. und ihr Mann haben eine Wohnung nebenan, die gerade leer steht, lange Geschichte, jedenfalls meinte sie, ich solle heute Nacht gerne dort schlafen, wenn ich es versuchen möchte. Das werde ich tun. Außerdem hat mich S. dazu motiviert die Uni für heute ruhen zu lassen und mir stattdessen Yoga, Thai Essen Bestellung, Tee und Mantrensingen zu gönnen. Und mit PMR will ich auch wieder anfangen. Wird schon, wird schon, abklären und kucken was geht. S. meinte, für sie klingt das gar nicht so schlimm im Sinne von völlig Psycho oder dramatisch, sie meinte, ich finde ihre Migräne, die sie hochgestresst bekommt, ja auch nicht schlimm oder ganz schrecklich. Wichtig sei, dass man es einordnen könne, und dass es natürlich immer blöd ist, wenn die Symptome genau so aussehen wie etwas, wovor wir immer Angst haben, auch wenn sie damit erst mal überhaupt nichts zu tun haben. Das sage ich mir jetzt auch als Mantra. Und: ich bin nicht meine Mutter.

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Mittwoch, 10. Februar 2021
334.
Müde, keine Lust über die neuen Corona-Beschlüsse zu berichten. Lesen Sie hier. Hauptsache, man hat die Haare schön.

Das Experiment im Büro hat für mich keine wirkliche Erkenntnis gebracht. Ich bilde mir ein, dort ähnliches zu spüren. Nun zu Hause aber viel intensiver.
Morgen früh hat Meister Yoda Sprechstunde, ich werde anrufen.

Sonst nix, auch keine Zahlen. Ich bin einfach nur durch.

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Dienstag, 9. Februar 2021
333. Da muss ich an Wet Wet Wet denken, keine Ahnung warum.
Die Endlosschleife, da ist sie wieder. Woher das wohl kommen mag? ...

... "Zwei "Querdenken"-Demos als Pandemietreiber: Bis zu 21.000 Infektionen" - NEIN - kann das denn wirklich sein? Na huch...

Derweil kommen Experten der WHO dem Ursprung des Virus nicht so wirklich auf die Schliche, wobei die Übertragung von Tieren auf den Menschen als wahrscheinlich gilt.

In Teilen Deutschlands ist der Winter eingebrochen und damit das Chaos. Hier... naja für hiesige Verhältnisse vermutlich auch, es hatte -6 Grad oder so, und es ist höllisch glatt, dazu 1 cm ... Schnee? (wage kaum es so zu nennen).

In den letzten Tagen gesehen: Die Serie Years and Years. Tough shit. Noch vor 5 Jahren, vor 10 auf jeden Fall, hätte ich vermutlich gesagt: weit hergeholt. Heute.... tja. Emma Thompson brilliert, ich bin ein großer Fan.

Seit zwei bis drei Wochen fühle ich überall in meiner Wohnung ein ganz subtiles Vibrieren im Körper, je nachdem, was in Kontakt steht mit Boden bzw. Tisch und Bett (die Vibration wird geleitet). 24/7, nonstop. Meistens relativ stetig, also definitiv nicht durch sowas wie fetten Bass o.ä. verursacht. Manchmal wache ich davon auch auf. . Im Treppenhaus spüre ich es auch. Unter Tränen meinem Vater davon erzählt, voll dessen bewusst, dass alles klingt wie das, was meine Mutter uns erzählt. Es macht mir Angst. Muss bald ins Büro um zu prüfen, ob ich es dort auch so fühle. Wenn ja, muss ich zu Meister Yoda.

ZDF RKI: Neuinfektionen 3.379 [5.059], also weiterhin sinkend. Ich gedenke der 481 [443] Verstorbenen und ihrer An- und Zugehörigen.

Inzidenzwerte:
Mannheim 63,4 [62,8]
Ludwigshafen 66,2 [57,5]
Hof Stadt 283,7 [290,2] bzw. Land 260,5 [274,3]
Deutschlandweit tummeln sich sowohl Stadt als auch Land Hof nach wie vor in der Top 5, was für ein trauriger Rekord, neben Tirschenreuth, Wunsiedel (beides Bayern) und Schmalkalden-Meiningen (Thüringen)
Bundesweit: erstmals unter 75 seit mehr als 3 Monaten
Bundesweiter Sieben-Tage-R-Wert Sonntagabend: 0,94 (Vortag: 0,95)
[in eckigen Klammern ZEIT Online Daten direkt aus Städten und Landkreisen]

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Montag, 8. Februar 2021
332.
Heute ist mir aufgefallen: ich pack gerade nicht mehr viel. Der Januar hat mir einiges abverlangt, mit der Kleingruppe, der Nachbar-Situation, und nicht zuletzt der Myom-Geschichte und dem damit verbunden Thema.

Ich bin sehr müde, traurig, wütend und. Kaputt. Oft fühle ich mich allein, ohne die Kraft zu haben Menschen zu sehen.

Wieso mich das alles eigentlich dermaßen angestrengt, das hab ich mich in den letzten Tagen oft gefragt. Mir war wohl nicht bewusst, dass da wirklich schon eine ziemlich erhöhte Grundlast ist durch diese Pandemie. Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind in einer Endlosschleife gefangen, Ende nicht absehbar. Deswegen kann ich hier derzeit auch kein Corona-Tagebuch führen. Es reicht mir, von den Mutanten, der Impfpolitik, den aufkommenden Zweifeln, Rufen nach Lockerung, Rufen nach mehr Strenge, und so weiter... zu lesen. Ich kann es nicht nochmal aufschreiben.

Und so kommt es, dass der erste Monat des Jahres schon rum ist, so schnell, und ich mich bereit fühle für 2022.

Einmal Situationskomik gab es heute zumindest:

Der F.: "Also am Freitag um 15 Uhr hol ich im Lager ein paar Sachen mit S. und geh noch jemanden besuchen. 18, 19 Uhr könnte ich bei dir sein."
Ich: "Oh habt ihr keine Ausgangssperre? Bei uns ab 20 Uhr."
"Immer noch?"
"Ja, ist noch. Sicher nicht gut wenn du danach mit dem Auto unterwegs bist." (weiß nicht ob ich schon mal erwähnte, dass er ohne Führerschein unterwegs ist)
"Mmmmmm. Bei dir Schlafen? Oder mit dem Fahrrad rüber zurück nach LU [zu seinem Kumpel S.] fahren?"

Wir beide wissen, dass er nicht gerne bei mir schläft, allein schon wegen des Rauchkonsums, und ich mag das auch nicht unbedingt, vor allem nicht nach unseren letzten Monaten.

"In jedem Fall würde ich dir dringend davon abraten in deinem Fall nach 20 Uhr mit dem Auto unterwegs zu sein. Ist so schon kacke, aber nicht SO schlimm wie DAS."
"Ich muss denken."
"Denk du mal :-) Sonst ein ander mal. Ich laufe nicht weg, vorerst, wahrscheinlich."
"Ja, aber ich komm nicht so oft." Ebenfalls in der Autosituation begründet, er muss 120 km vom Arsch der Heide hier her kurven
"Komm doch einfach früher, nicht erst um 15, sondern morgens. Dann kannst du erst zu mir, dann zu deinen Leuten, dann gechillt zurückfahren oder dort versacken."
"Ich guck mal"

15 Minuten später. Der F. postet einen Screenshot vom Mannheimer Morgen in den Chat, dass vor 11 Minuten die nächtliche Ausgangssperre für BaWü vom Verwaltungsgerichtshof gekippt wurde.

"Jetzt gerade?? Das hats du dir doch ausgedacht! :-D Ich hatte ja keine Ahnung, bis in welche Reihen du Kontakte hast! :-D :-D :-D"
"Tja. Bis ganz nach oben."

Das C-Wort ~ ... link (8 Kommentare)   ... comment